Bunkers del Carmel

Ich will zum Parc del Guinardó, meinem alten Wohnort, meinem Berg, meinem Rückzugsort für eine Auszeit in guten und schlechten Zeiten. Der Aufstieg ist schweißtreibend und man möchte nach drei Minuten wieder umdrehen. Gleiche Höhe und Aussicht wie im nebenand liegenden Parc Güell, ab und zu ein Jogger oder ein Hundebesitzer, ansonsten Ruhe.

Ich höre Menschenlärm, die Silhouette der alten Bunkerreste enthält einige Menschen. Ich hatte im letzten Jahr bereits den kleinen Schock, dass dieser Ort nicht mehr ganz geheim ist, daher bin ich nicht ganz überrascht über die Menschenmassen, die sich lautstark unterhält und mit dem Selfie-Stick die Szenerie festhält.

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Sonnenuntergang hinterm Tibidabo und Wolkenleuchten.  Ich suche einen Platz für mein Picknick. Ein Mädchen läuft mir vor die Linse und ich muss ein Foto von der Szenerie machen – es ist wunderbar. Sie geht weiter und ich hinterher, ich spreche sie an und zeige ihr die Bilder. Ich frage, ob sie Zeit hat, denn ich bin vorbeireitet und habe ‘zufällig’ einen Rucksack voller Essen dabei. Sie ist überrascht, macht aber mit. Wir suchen uns einen ruhigen Platz auf der Rückseite des Berges, der zwar keine Aussicht über die Stadt und das Meer hat,  dafür aber ebenso wunderbar ist und keine anderen Menschen stören.

Salami, Schinken, Chorizo, Oliven, Curado-Käse, Wein, Baguette und stundenlange Gespräche, über Menschen und das Leben, Italien, Essen, Reisen, Arbeit, Jugend, Zukunft.

Perfetto!

Perill 44

Schon vor dem Haus ertönen Schlagzeug, Gitarre und Gesang die Straße. Es schallt aus dem offenen Fenster und ich bin gespannt, auf das Treiben im Inneren.

Mein Airbnb-Vermieter Alex sitzt am Schlagzeug, eine kleine Spanierin singt am Mikrofon und ein Gitarist ist auch mit dabei. Ich sage Hallo und gehe in mein Zimmer, die Tür bleibt offen, im Flur wird weiter musiziert. Es wird offensichtlich geprobt, da immer wieder mitten im Song gestoppt und diskutiert wird. Der Rhythmus, wird vor allem Gitaristen noch nicht gespürt, der das Lied eher funkiger spielen möchte. Die anderen Stimmen nicht direkt überein, probieren es aber dennoch.

Ich dränge mich wieder an der Sängerin vorbei und gehe zum Duschen ins Bad, ich kann gut die Diskussion weiterverfolgen und habe das Gefühl, jederzeit könnte die Stimmung kippen oder dem Gitaristen wird gekündigt.

Ich bin fertig mit dem Duschen und laufe mit Handtuch bekleidet und Oberkörper frei wieder in mein Zimmer – müssen wir alle durch.

Es wird jetzt fast der ganze Song gespielt, es scheint etwas von Erika Badu zu sein. Ich bin frisch eingekleidet und bereit mit vollen Picnic-Rucksack zum letzten Teil des Tages überzugehen. Ich verlasse mein Zimmer, schließe es ab und sehe die Zufriedenheit in der Gesichtern der kleinen Band, die sich auf ihre Interpretation des Songs geeinigt und eingespielt hat. Ein interessanter Prozess, live erlebt.

Sagrera

Sagrera, Teilbezirk und U-Bahn-Station meiner Praktikanntenzeit in Barcelona im Estudi ZUK. Ich fahre mit dem Rad an den Ecken und Läden vorbei, die ich erkenne. Das alte Internet-Cafe, in dem ich meine Telefonkarten zum Freirubbeln des Prepaid-Guthabens für internationale Gespräche für 5 Euro gekauft habe.

Ich finde den Weg nicht mehr ganz und denke schon ans umdrehen, da entdecke ich die Bäckerei in der Carrer Martí Molins, an der ich ich mich entlang zum nächsten Punkt hangele. Da die Türen in Barcelona in der Regel keine Namensschild haben, ist dies kein leichtes Unterfangen. Ich bin mir sicher bereits an ihr vorbeigefahren zu sein, denn ich stehe nun an der Kreuzung zu einem der typischen spanischen Plätze, viereckiger Hof mit Bars und Cafés an allen Seiten, zu dem es öfter zur Mittagspause ging.

Ich verweile ein paar Minuten und beobachte das treiben am Ort, spielende Kinder, Alte auf den Bänken, Arbeiter und Studenten beim Feierabendbier. Melancholisch-glücklich fahre ich weiter.

Viva Inditex

Ich will shoppen gehen. Das mache ich jedes Mal wenn ich hier bin. Alle meine Lieblingsmarken beieinander, die Preise niedriger, als in Berlin und die Größe ‘S’ ist  überall verfügbar – ein Traum.

Ich fange wie immer bei Springfield in Urquinaona an und laufe danach zielstrebig zum Pull & Bear in der Portal del Ángel, der jetzt doppelt so groß ist, wie früher. Ich reize jedes Mal die volle erlaubte Menge von sechs Kleidungsstücken in der Umkleide aus. Was nicht passt, wird dann nochmal in einer anderen Größe organisiert und schon bin ich wieder am Anprobieren.

Taschen links, Taschen rechts, wird es immer schwieriger die Arme weiter vollzupacken und mich durch die Kleiderständer zu schlängeln. Ich bin wieder in der Kabine und erneut ist das Licht grauenvoll, der Bauch viel zu weit vorne und die Haare liegen auch nicht richtig.  Hemd ausziehen, T-Shirt überziehen, Shirt ausziehen, anderes Hemd anziehen, Pullover überziehen, Hose ausziehen, Slim-Fit Hose überstreifen, andere kurze Hose anziehen, alles wieder ausziehen, halb nackt bemerken, dass man von außen reinschauen kann. Was ein Stress, ich zittere, ich glaube ich brauche einen Schokoriegel.

Barceloneta

Auschlafe bis mittags, Frühstücken daheim mit Leckereien aus dem Supermarkt (Melone, Baguette, Fuet, Manchego, Oliven, Scharfe Pastete, Filipinos).

Zu Fuß durch die Hood zum Pg. de Gracia und bis zum Pl. Cataluña hinunter vorbei an den alten Kirchen und ein Eis gekauft. Weiter durch Born bis zur alten (riesigen) restaurierten  Markthalle, welche nun ein Museum für katalanische Geschichte ist. Weiter am Jachthafen entlang bis ans Meer.

Tausende Menschen, Fahrradfahrer und neue Läden. Ich schwimme mit der Menschenmenge an der Strand entlang, vorbei an der kleinen Muckibuden-Insel und den Klimmzugmenschen bis zum goldenen Fisch am Port Olímpic. Beats schallen aus dem Pascha und große Jungs in weißen Hemden und rosa Hosen heben die Arme und kleinen Mädels mit Strohhüten nippen an ihren Plastikbechern – eine eingespielte Choreographie.

Ich habe blasen an den Füßen, die Flip-Flops scheuern, ich habe  mit in diesem Sommer noch keine Hornhaut zwischen den Zehen zulegen können.

Tschüssikowsky

Der Boden vibriert, der Wecker klingelt, die Augen rot, aufstehen ist angesagt. Dem Gedanken einfach liegen zu bleiben darf nicht nachgegeben werden.

Duschen, Kofferpacken, Zähneputzen, Blumen gießen. Rein in den Fahrstuhl, Kofferrattern über den Bürgersteig, hechte ich zur Straßenbahn. Ringbahn und TXL-Bus und am Schalter eingecheckt, geht es gleich durch die Sicherheitskontrolle, wo mich tätowierte Menschen abtasten. Im Flieger die Ohropax eingestöpselt und  mit Augen zu träume ich mich nach Barcelona.

Augen auf, die Tür geht auf, helles Licht und heiße Luft. Ich fange sofort an zu schwitzen. Am Gepäckband zerre ich den Koffer herunter und wechsle von langen schwarzen Berlin-Klamotten in die peppige grüne Buchse und schnalle mir die Flip-Flops an.

Klapp-klapp, rein in den Bus, wieder aussteigen, in die U-Bahn wechseln, Gang runter, Gang hoch, Gang geradeaus, wieder hoch und raus auf die Straße, ratter ratter ratter …

Ich bin in meiner Unterkunft und gehe nach einem kurzen Geplänkel mit meinem Airbnb-Vermieter erst einmal direkt ins Bett, welches ich an diesem Tag nicht mehr verlassen werde.

Panama Jacks

Sonnenuntergang auf dem Tafelberg, Panama Jacks auf dem Gelände des Container Hafens (Empfehlung eines Finnen, den ich auf dem Lion’s Head getroffen hatte): Austern, Jakobsmuscheln, Langusten, Calamari, Long Island Craft Beer, Feigennachtisch, Sekt